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Eigentlich wollte ich schon meinen 6o. Geburtstag hier auf der Burg Seeberg feiern, auch wenn ich zugeben muß, daß es sich ja eigentlich nicht um meinen Familienstamm handelt, denn der kommt ja bekanntlich aus Tirol. Aber im
November ist das Wetter in dieser Gegend nicht so einladend, da feiert man lieber zu Hause. Also habe ich nach einer anderen Gelegenheit gesucht - und hier war sie. Nicht nur der Geburtstag, sondern auch die Gelegenheit, dies
mit einer Forschungsreise ( mehr auf der Seite böhmische Familien ) zu verbinden. Also trafen wir und mit insgesamt 17 Verwandten und Freunden zwei Tage vorher in Ostroh, dem früheren Seeberg und wohnten ( natürlich ) in dem
neuen Hotel Seeberg, welches direkt gegenüber der alten Pension gerade eröffnet war. Einige Anfangsschwierigkeiten mußten wir noch in Kauf nehmen, aber das tat der Stimmung überhaupt keinen Abbruch. Die Gäste kamen aus allen
Richtungen, von Berlin und Bonn, aus Klagenfurt und aus der westlichsten Ecke Tschechiens. Eigentlich ganz zentral dieser Platz, denn so mußten alle fahren, aber keiner zu weit. Da man hier noch sehr preiswert übernachten
und essen kann, haben wir etwas mehr Geld investiert, um auch etwas von der schönen Gegend kennen zu lernen, denn sie ist nicht nur landschaftlich schön, sondern auch geschichtlich und kulturell höchst interessant. Cheb (früher
Eger ) war eigentlich immer eine durch und durch deutsch geprägte Stadt, obwohl das Egerland schon 1322 an die böhmische Krone ausgeliehen war. Also mieteten wir uns einen Bus und einen Reiseleiter und fuhren einen ganzen
Tag durch das sogenannte Bäderdreieck: Karlovy Vary - Loket - Mariánské Lazne - Frantizkovy Lázne (früher Karlsbad - Elnbogen - Marienbad - Franzesbad ). Das Wetter spielte mit und bescherte uns einen besonders warmen Tag, so
dass wir abends alle ziemlich müde und froh waren, das Bett zu erreichen. Am nächsten Tag ging es sofort nach dem Frühstück und den obligatorischen Geburtstagsrosen nach Cheb, wo schon wieder jemand bereitstand und uns fast
drei Stunden die Stadt erklärte. Natürlich den Markt, die Nicolaykirche, wo schon vor 1600 die ersten Seeberger geheiratet haben, das Stadtmuseum in dem Haus in welchem Wallenstein ermordet wurde und natürlich die alte
Kaiserburg. Zum Mittagessen war keine Zeit ( hatten wir auch nicht eingeplant ), denn es ging sofort über zu Kaffee und Kuchen. In einer kleinen Diashow zeigte ich einige Bilder die Annes Lebensweg noch einmal in das Gedächtnis
zurück brachten. Ausruhen konnten wir uns nicht, denn um 16 Uhr standen wir schon vor der Burg, die zum Glück keine 100m entfernt war und ließen uns deren Geschichte erklären. Danach gab es nur wenig Zeit zum ausruhen und
umziehen, denn um 19 Uhr begann die große Feier im Restaurant der Burg. Das Essen war hervorragend, ein ehemaliger Musiklehrer aus Franzesbad spielte auf einem Harmonium und einige Gäste hatten kleine Spiele vorbereitet. Als
wir irgendwann nach Mitternacht die Hotelbetten aufsuchten, wußten wir, daß dies ein besonders gelungener Geburtstag gewesen war, den man nicht so schnell vergessen wird. Nun war das ja nicht so einfach, in dieser Gegend
eine Feier zu veranstalten, zu tief sitzen noch die Wunden und Vorbehalte des letzten Krieges. So haben drei der eingeladenen Personen im Grunde aus diesem Grund abgesagt. Das muß man so hinnehmen. Wir waren ja eine gemischte
Gruppe, denn vier Gäste waren Tschechen. Und da war es schon sehr schön, daß es wirklich eine Gemeinschaft war und dieser Unterschied sich nicht bemerkbar machte. Deshalb ist auch eines der Bilder besonders bemerkenswert, als
zu fortgeschrittener Stunde unser Musikus tschechische Volksweisen anstimmte und plötzlich erst die beiden Mütter und dann auch die Töchter sich um ihn versammelten und inbrünstig mitsangen! Ein wunderschöner Moment,
schließlich läßt sich aus der Musik vieles über die Mentalität der Menschen erkennen. Und was passierte dann? Plötzlich kannten wir alle die Lieder wie Rosamunde und ein Teil sang sie auf Tschechisch, der andere Teil auf
Deutsch. Das war unsere gemeinsame Geschichte, die uns sehr eindringlich bewußt wurde mit ihrem ganzen Widersinn. Jeder im Raum spürte, wie wichtig diese Feier für uns war und selbst der Wirt meinte, daß er so eine schöne Feier
mit Tschechen und Deutschen nicht nur an einem Tisch, sondern als eine Gemeinschaft noch nicht erlebt habe! Schwer zu beschreiben, man mußte es einfach erleben und spüren. Auf jeden Fall wurde aus dieser als Gag auf dieser
Burg geplanten Feier viel mehr, nämlich ein bleibendes Erlebnis.
Einige Bilder folgen auf dieser und den Folgeseiten, um einen kleinen Eindruck zu geben.
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